Bunkerkirche
Foto: Sebastian Zurkuhl

 

 


 
Bunkerkirche in Düsseldorf-Heerdt

Geschichte

Die 1926 gegründete Kirchengemeinde „St. Sakrament“ erwarb 1928 ein Grundstück für einen Kirchenneubau, dessen Baupläne Professor Dr. Holzmeister von der Kunstakademie Düsseldorf erstellte. Wegen der Weltwirtschaftskrise und akuter Geldnöte konnten dieser nicht realisiert werden. Noch während der Herrschaft der Nationalsozialisten feierte die Gemeinde ihren Gottesdienst in einer Notkirche. Diese bauten auf dem 1940 widerrechtlich beschlagnahmten Kirchengrundstück 1941 einen Luftschutzhochbunker vom Typ LS 13 nach den Plänen von Architekt Philipp W. Stang, der vielen Familien während des Krieges Schutz vor dem Bombenhagel der Alliierten bot. Die Notkirche wurde am 27.11.1944 durch Luftangriff zerstört, eine weitere Notbaracke diente der Gemeinde fortan als Kirchenraum.

Der 1947 neu eingeführte Pfarrer von St. Sakrament, Dr. Carl Klinkhammer, wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Essen „Ruhrkaplan“ genannt, hatte die Idee, das Militärobjekt ‚Bunker‘ in ein Friedensobjekt ‚Kirche‘ umzuwandeln. Dazu mussten drei Betondecken des vier Stockwerke hohen Gebäudes sowie fünf Aussparungen für die Fenster durch fünf Kilometer Bohrlöcher herausgesprengt und circa 1000 Tonnen Schutt abtransportiert werden. In einer beispielhaften Gemeinschaftsleistung der Pfarre, des Pfarrers und besonders der Jungmänner und Männer wurde in nur zwei Jahren die ‚stabilste Kirche der Welt‘ nach den Plänen von Dombaumeister Dr. Willy Weyres vollendet. Am 30. Oktober 1949, dem Christkönigsfest, weihte der Kölner Kardinal Dr. Josef Frings die Bunkerkirche unter dem Friedensmotto „Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern“ (Jesaja 2,4) durch eine Festmesse ein. Pfarrer Dr. Klinkhammer leitete die Pfarre bis 1991. Er war der Begründer der „Mittwochgespräche“ und Initiator der Ökumene in Düsseldorf. 50 Jahre lang, bis zu seinem Tod am 12.1.1997, wohnte der Pfarrer im Bunker.

Regendurchlässigkeit aufgrund undichter Asphaltabdeckung des Flachdaches machte die Bunkerkirche zu einem Sanierungsfall, der in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu einer umfangreichen Restaurierung und Modernisierung des Gebäudes führte. Ein von außen nicht sichtbares Satteldach leitet seitdem das Wasser nach außen ab und schützt so die Betondecke. Im Innern wurde der Altarraum völlig neu gestaltet und der Fußboden erneuert. Architekt Karl Josef Bollenbeck entwarf die sich an der Wandstruktur orientierende schwebende Holzdecke. Den Abschluss der Umbauarbeiten bildete die Wiedereröffnung der Bunkerkirche am 30.11.1997 durch Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann.

Architektur

Die Bunkerkirche ist eine Hallenkirche mit den Außenmaßen 47,30 x 22,10 m; innen 35 x 20 m bei 9 m Höhe und kommt ohne Säulenstützen aus. Die Außenwände sind 1,20 m die Decke 2,70 m stark. Auf den Turmhelm setzte der Bunkerarchitekt Philipp W. Stang nach der Umwandlung in eine Kirche einen Glockenturm. Pfarrer Klinkhammer entdeckte auf dem Glockenfriedhof in Hamburg drei dem Glockenturm angemessene Glocken. Die größte von ihnen war 1651 in Danzig gegossen worden. Alle drei hingen bis zum Zweiten Weltkrieg in dem hölzernen Kirchturm einer ehemaligen Kirche des Deutschen Ordens in Marienau, südlich von Danzig gelegen.

Ausstattung

Begehung der Kirche im Uhrzeigersinn: Im Vorraum der Kirche steht ein marmornes Taufbecken aus der alten Notkirche. An der Wand: eine Madonna mit Kind, aus Kupfer getrieben von Johann Karst. In der Eingangskapelle ist ein Kruzifix von Otto Pankok zu sehen. An den Seitenwänden der Kirche hängt ein Kreuzweg mit 14 Stationen in gebranntem Ton von Gisbert Rautzenberg. Das Objekt „Der Sieger“ des Koreaners Yong-Chang Chung stellt einen besonderen Blickfang auf der linken Längsseite der Kirche dar. Die Buntglasfenster aus Restglasstücken der Glashütten stammen von dem Aachener Künstler Walter Benner Die Pieta modellierte Will Hanebal. Eine Barockmadonna befindet sich an der linken Altarsäule. Herausragend: der überlebensgroße Kruzifixus über dem Altar aus geschmiedetem Stahl von Johann Karst - ein neuer „Handweiser“, der nach oben zeigt. Nach der Neugestaltung des Altarraumes stattete Bildhauer Matthias Heiermann diesen mit sechs Tischleuchtern, drei Bodenleuchtern aus Stahl, einem Altarstein aus schwarzem Marmor mit weißen Äderungen sowie einem Tabernakel aus sandgestrahltem und brüniertem Stahl aus. Den „Auferstandenen“ fertigte ebenfalls Johann Karst an. Die Strutz-Orgel mit 13 Registern stammt aus der Gemeinde Ratingen-Hösel. An der Außenwand rechts vom Eingang hängt eine Darstellung des Bunkerumbaus mit einer Christusfigur, die ein Hakenkreuz zerbricht, und eine Gedenktafel für Pfarrer Dr. Carl Klinkhammer, beide Bronzewerke des Düsseldorfer Bildhauers Bert Gerresheim.

Vom „Kunstort“ zum „Friedensort“

Die Bunkerkirche ist zuerst bestimmt für liturgische Gottesdienste. Der Verein „Kunstort Bunkerkirche am Handweiser“ unter der Leitung von Ulla Sommers organisierte zahlreiche Ausstellungen in den Kellerräumen des Bunkers und herausragende Konzerte in der Bunkerkirche, die auf ein gutes Echo in der Bevölkerung stießen und die Bunkerkirche über die Grenzen Düsseldorfs bekannt machten. Die neue „Initiative Friedensort Bunkerkirche“, ein sechsköpfiges Team (seit 2007), ist ökumenisch, ökologisch und solidarisch ausgerichtet. Sie setzt sich für den Frieden unter den Konfessionen und Religionen ein, engagiert sich für den Schutz der Umwelt und der Schöpfung und solidarisiert sich mit allen friedenswilligen Menschen. Konzerte, Geistliche Erkundungen, Ausstellungen, Theaterstücke, Lesungen und Bunkerführungen unterstreichen das Engagement der „Initiative“.

Hier finden Sie weitere Bilder der Bunkerkirche in Düsseldorf-Heerdt

Ein Video der Bunkerkirche als Ausstellungsort sehen Sie hier: